Ressort: Games
Datum: 06. Oktober 2017
Autor: Matthias Probst

Cuphead

Hoch die Tassen! Bei diesem Feuerwerk des Art- und Spieldesigns könnte man glatt dahinschmelzen – doch dafür bleibt keine Zeit. Geschick und Können sind hier mehr gefragt, als bei anderen Vertretern des Genres.
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Bin ich schon so alt? Ich kann mich noch lebhaft daran erinnern, wie ich als Kind auf mein Weihnachtsgeschenk im Jahr 1992 wartete: Eine Super-Nintendo-Konsole wartete aufs Auspacken. 25 Jahre später steigt bei mir die Aufregung immer noch, wenn ich auf den Release-Tag des Mini SNES Classic warte – eine Miniaturausgabe der Konsole von damals. Beim Spielen fiel mir dann aber sehr schnell auf, wie fordernd damalige Games eigentlich waren. Hatte ich echt solch eine hohe Frusttoleranz? Kleine Fehler werden direkt bestraft und automatische Speicherpunkte waren für die Konsole ein Fremdwort. Insofern fällt „Cuphead“ mit seinem anspruchsvollen Schwierigkeitsgrad gar nicht mal aus der Rolle – wäre es denn in den 90er-Jahren erschienen. Im Jahr 2017 sieht die Sache ganz anders aus.
 
Das kann doch nicht so schwer sein
 
Seit über vier Jahren warte ich nun auf diese schick aussehende Softwareperle, von der ich bereits eine Menge Vorabversionen testen durfte. Eine sonderlich gute Figur gab ich dabei nie ab – was wohl am Überspringen des Tutorials oder der Einstieg in einen fortgeschrittenen Level lag. Denkste!! Auch nachdem ich jetzt das fertige Spiel vor mir habe, sehe ich anfangs kein Land. Das Tutorial war zwar hilfreich, aber der von mir damals getestete Level stellte sich als erste Mission dar – Hammerhart.
 
Doch zunächst einmal komme ich nicht herum, das Artwork zu bewundern: So hübsch sind Spiele wirklich selten geraten. Der Stil, der alte Zeichentrickserien aus den Anfängen des Fernsehens imitiert, ist so bezaubernd, wie ansprechend – inklusive einer herrlichen Musikuntermalung. Fast könnte man meinen, es mit einem interaktiven Animationsfilm zu tun zu haben. Selbst kleine Bildfehler, die damals den Filmstreifen zu verdanken waren, haben die Entwickler eingebaut. Wie gesagt: Einfach wunderschön und im Design sehr kreativ.
 
Rennen und schießen
 
Das eigentliche Spiel besinnt sich auf die Tugenden eines Jump&Runs beziehungsweise Run&Guns. Soll heißen: Ihr müsst den Hauptcharakter, eine niedliche Tasse, die einen schlechten Deal mit dem Teufel eingegangen ist, durch kunterbunte Welten steuern. Diese Missionen sind keineswegs ausufernd lange, doch äußerst anspruchsvoll: Schießen, ausweichen und rennen gehören zum Tagesgeschäft. Ihr werdet dabei sehr oft ins virtuelle Gras beißen – das verspreche ich euch schon einmal. Haltet den Drücker aber besser gut in der Hand und schluckt euren Frust herunter. Wirklich unfair wird es nie – zumindest wisst ihr nach jedem Ableben, wie ihr es verhindert hättet können.
 
Das Herzstück sind jedoch die Bosskämpfe: Diese finden sich auf der Missionskarte genauso häufig, wie die anderen Levels. Einmal das Feld für den Boss-Fight angeklickt, geht es gleich ans Eingemachte – ohne langes Drumherum beginnt der Kampf gegen einen oder mehrere Endbosse. Diese werden euch das letzte abfordern, wenn ihr erfolgreich sein wollt. Alle, die ihre Freizeit nicht gerade mit dem Dauerzocken von „Meat Boy“ oder den alptraumhaften Levels bei „Mario Maker“ verbringen, müssen hier erst einmal warm werden. Mich hat es bereits bei Obermacker Nummer 2 ordentlich zerlegt – diese Frosch-Brüder sind aber auch knallhart.
 
Fordernd wie „Dark Souls“
 
Überraschenderweise hielt sich mein Frust aber sehr in Grenzen. Nach jedem Ableben war ich motiviert es noch einmal zu versuchen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie süß der Sieg gegen einen solchen Boss schmeckt. Herrlich!
 
Was dem Ganzen noch mehr Tiefe verleiht, sind die Upgrades, die euch ein Schwein verkauft – es handelt sich dabei wirklich um ein Schwein. Mit einem Kaufladen. Und Zaubertränken. Ehrlich! In dem Shop könnt ihr gegen Münzen, die ihr in den Levels gesammelt habt, neue Schüsse oder Spezialfähigkeiten erwerben, die euch das Leben etwas erleichtern. So stieg ich auf automatisch zielende Schüsse um, die zwar schwächer als der Normalschuss waren, dafür aber immer ins Ziel trafen. Feine Sache.
 
Wer so richtig masochistisch veranlagt ist, der lädt einen Kumpel zu einer Partie am Bildschirm ein. Gemeinsam geht es dann gegen die unterschiedlichen Schergen. Allerdings werdet ihr bei dem Gewimmel auf dem TV schnell die Übersicht verlieren, wie es mir dauernd erging. Daher ist der Koop-Modus zwar allgemein eine nette Idee, aber nur dann wirklich sinnvoll, wenn euer Freund genauso vernarrt in den Titel ist, wie ihr selbst.
 
Fazit
 
Was soll ich noch sagen? Ihr habt eine Xbox One oder einen PC? Dann besorgt euch unbedingt dieses Spiel. Klar, es ist herausfordernd. Aber dafür bekommt ihr eine Menge Spielspaß für euer Geld. Zumal ihr dadurch das kleine Team der MDHR-Studios unterstützt, das es verdient hätte, noch mehr solcher Perlen zu entwickeln. Für mich zählt „Cuphead“ bereits jetzt zu den Top 5 meiner „Spiele des Jahres“-Liste – und es kommen noch einige Knaller.
 
Erhältlich für: Xbox One, PC
Website: cupheadgame.com

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