Ressort: Games
Datum: 06. Oktober 2017
Autor: Matthias Probst

Ruiner

Düster, brutal und gnadenlos: Eine gewisse Frusttoleranz solltet ihr mitbringen, wenn ihr euch in diese dystopische Welt stürzt – ganz am Ende kann es sich sogar lohnen.
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Sechs Mal bin ich draufgegangen. Sechs Mal! Und das in einer Einführungsmission – zumindest sehe ich den Prolog von „Ruiner“ als solche an. Das Ungewöhnliche sind nicht etwa die Anzahl meiner Bildschirmtode, sondern die Art und Weise, wie es mich erwischt hat. Denn oftmals hatte ich keine Ahnung, was gerade passiert ist. Ein Beispiel gefällig? In einem Raum wirft mir der Computer zwei Schurken mit MGs vor die Füße. Einige Treffer bekomme ich zwar ab, kann aber durch geschicktes Dashen (also schnelle Ausweichbewegungen) die beiden Kontrahenten ausschalten und meine Lebensenergie aufladen. Kurz darauf erscheint ein Gauner hinter mir mit einer Eisenstange, trifft mich einmal damit und – bumm – segne ich das Zeitliche. Ehrlich jetzt? Kugeln halte ich aus, aber einem Schlag mit einer Stange gebe ich nach? Im nächsten Raum ist es umgekehrt: Die Typen mit den Schlagstöcken machen mir fast nichts aus – dafür aber der Kerl mit der dicken Wumme, der aus sicherer Distanz auf mich ballert. Sehr ärgerlich. Doch so langsam komme ich in den Spielfluss hinein, wenn auch sichtlich genervt …
 
Der Frust vergeht
 
Ich muss zugeben, dass ich bei „Ruiner“ anfangs immer wieder frustrierende Momente erlebte: So cool die actionreichen Twinstick-Schießereien auch sind, so brutal schmettert euch das Spiel immer wieder auf den Boden der Tatsachen – und manchmal ist es nicht einmal eure Schuld. So kam es mir jedenfalls vor. Hätte mich mein Ehrgeiz nicht gepackt, wäre das Spiel vielleicht in der Versenkung meiner Festplatte gelandet. Doch ich wollte mich nicht geschlagen geben. Also hielt ich durch. Und siehe da: Hat sich schon recht gut angefühlt den ersten Boss kalt zu machen.
 
Erst im weiteren Spielverlauf stellte sich bei mir mit den schnellen Bewegungen und taktischen Möglichkeiten meines Charakters so etwas wie Routine ein. Plötzlich beginnt die Unterhaltungskurve nach oben zu steigen. Denn je höher ich auflevel, desto besser kann ich meine Figur an meinen Spielstil anpassen. Mit Schutzschilden, Knarren und sogar leichter Zeitmanipulation kommt Freude auf. Apropos Zeit: Manchmal stellt sich im Spielverlauf eine Zeitlupenfunktion ein, in der ich gemütlich agieren kann. Allerdings habe ich nicht den Hauch einer Ahnung, wann und warum das geschieht – wieder so eine Kleinigkeit, die nervig sein kann.
 
Belohnung dank Durchhaltevermögen
 
Nach ein paar Stunden im Spiel muss ich sagen, dass es nun endlich Spaß macht. Jedoch bezweifele ich, dass die meisten Käufer bis dahin durchhalten – das sollten sie allerdings versuchen. Denn „Ruiner“ steht sich zu Beginn mit dem hohen Schwierigkeitsgrad und dem leicht zu meistern, aber schwierig zu beherrschenden Kampfsystem selbst im Weg. Eine sanftere Einführung wäre an dieser Stelle durchaus hilfreich gewesen. Auch der Umgang mit den eigenen Fähigkeiten ist meines Erachtens zu kompliziert geraten: Unterschiedliche Feinde verlangen nach unterschiedlichen Taktiken. Soweit so gut. Dazu könnt ihr im Menü einfach eure Fähigkeitspunkte umsortieren – allerdings müsst ihr das immer wieder tun. Während einer Mission musste ich viermal ins Menü, um meine Taktik umzustellen. Ginge das nicht einfacher mit ein paar abspeicherbaren Layouts, anstatt den Umweg über das Menü zu nehmen und dadurch den Spielfluss zu ruinieren? (Anmerkung: Ich denke nämlich nicht, dass das Spiel dadurch zu seinem Namen gekommen ist).
 
Fazit
 
Am Ende des Tages bin ich etwas besänftigt: der knallharte Einstieg ist einem unterhaltsamen Spielchen gewichen, das leider erst ab der Hälfte richtig Fahrt aufnimmt. Wer also ein gewisses Maß an Frusttoleranz mitbringt (vielleicht solltet ihr hierzu auch einen Blick auf „Cuphead“ werfen), der wird mit „Ruiner“ ein wirklich nettes Spielchen finden, das euch immer wieder aufs Neue fordert – und sogar mit einem herrlichen Gefühl der Stärke nach einem erfolgreichen Bosskampf belohnt.
 
Erhältlich für: Xbox One, PS 4, PC
Website: ruinergame.com

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