Ressort: Games
Datum: 06. Oktober 2017
Autor: Matthias Probst

Absolver

Voller Körperkontakt: Bei „Absolver“ sind Martial-Arts-Künste gefragt. Im Praxistest trifft das Actionspielchen allerdings nicht jedes Mal das Ziel – birgt aber einiges an Potenzial.
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Mystische Stimmung: Der comichafte Grafikstil, mit dem mir „Absolver“ seine Story erzählt, überzeugt mich von der ersten Minute an. Auch die ersten Gehversuche in der halboffenen Welt samt Trainingspuppen zum Verdreschen wecken die Hoffnungen auf ein großartiges Spiel. Doch bevor es überhaupt losgeht, darf ich mich im Charaktereditor austoben: Geschlecht und Aussehen werden festgelegt. Anschließend soll ich mich für einen Kampfstil entscheiden. Dabei bieten mir die drei Stile nicht nur unterschiedliche Taktiken und Bewegungsabläufe, sondern auch Schwierigkeitsgrade: Der Kahlt-Stil ist prima für Anfänger, während der Windfall-Stil Geschick bei fortgeschrittenen Spielern verlangt und der Forsaken-Stil Profis fordern wird.
 
In guten …
 
Ich entscheide mich zunächst einmal für den Kahlt-Stil – sicher ist sicher. Zurück zu den Trainingseinheiten: Die Steuerung geht per Controller locker von der Hand und hat meines Erachtens ein klasse Feedback. Vier verschiedene Grundhaltungen variieren die unterschiedlichen Kampfstile nochmal. Nachdem ich einige Manöver erlernt habe, geht es hinaus in die charmante Welt, um auf andere Kämpfer zu treffen. Die Fights machen mächtig Laune: Mit Erfahrungspunkten steigere ich meinen Level und kann zudem neue Fähigkeiten erlernen – prima Sache, die motiviert. Gleich der erste Bosskampf fordert bereits mein ganzes Können – vorher gibt es aber noch eine schicke Zwischensequenz, die mir etwas mehr über dieses zerfallene Imperium verrät. Nach rund fünf Stunden – ich habe etwas Zeit mit dem Suchen von versteckten Gegenständen verplempert – steht Boss-Fight Nummer drei auf der Agenda. Ich staune nicht schlecht, dass die Story danach ziemlich abrupt endet – etwas kurze Geschichte. Nun ja, dafür hat es Spaß gemacht.
 
… sowie schlechten Zeiten.
 
Was jedoch weniger Spaß macht, sind die technischen Feinheiten: Ladezeiten werden zu Zwangskaffeepausen, Gegner frieren plötzlich ein und manchmal treten sehr merkwürdige Glitches aus – sowohl beim Kämpfen als auch beim Erkunden der Umgebung. Entwickler Sloclap und Devolver Digital arbeiten aber unter Hochdruck an der Verbesserung dieser Fehler. Denn so kann die Unterhaltung schnell in Frust umschlagen.
 
Interessant finde ich auch die Idee mit dem – wenn erwünscht – übergangslosen Solo- und Multiplayer-Erlebnis: Ähnlich wie bei „Dark Souls“ können Spieler einfach in eure Welt eindringen und dann gegen oder mit euch den Kampf antreten – echt spannend. Außerdem könnt ihr von gegnerischen Kontrahenten neue Angriffsmuster erlernen, was ebenfalls sehr motivierend und clever integriert ist. Neue Ausrüstungen wirken sich zudem deutlich auf eure Mobilität aus: Wollt ihr lieber schnell und wendig oder gut geschützt sein? Eine Frage, die ihr euch immer wieder stellen müsst.
 
Die Luft wird dünn am Ende
 
Habt ihr jedoch einmal die Story durchgezockt, ist etwas die Luft raus aus. Klar, ihr könnt noch fleißig leveln und euren Charakter verbessern, aber wozu das Ganze? Denn das derzeitige Matchmaking gegen Online-Konkurrenten ist reine Glückssache: Entweder gab es keinen anderen Spieler, der gerade online war, oder der Computer wollte mich bestrafen, dass ich mit Level 13 einen PvP-Kampf wagen wollte: Jedenfalls hatte ich gegen den 20-Level höheren Charakter nicht den Hauch einer Chance – also habe ich es wieder sein lassen … Schade irgendwie.

Fazit
 
Letzten Endes bin ich zwiegespalten: Die grundsätzliche Spielmechanik, die grafische Präsentation sowie die coolen Ideen hinter „Absolver“ überzeugen und faszinieren mich. Für die fünf bis sechs Stunden, die ich mit der Kampagne verbrachte, hatte ich meinen Spaß. Das Kampfsystem ist durchaus gelungen und bietet durch die unterschiedlichen Stile und Haltungen jede Menge Abwechslung. Auf der anderen Seite steht jedoch die technische Umsetzung sowie der Mangel an Inhalten: Mit etwas mehr Feinschliff und eventuell dem ein oder anderen zusätzlichen Boss könnte „Absolver“ genau das werden, was es verdient hätte – nämlich ein echter Geheimtipp.
 
Erhältlich für: PS4, PC
Website: absolvergame.com 

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