Ressort: Games
Datum: 12. Juli 2017
Autor: Matthias Probst

Goliath

Gigantische Bastelarbeit

Haushohe Roboter: Diese stehen bei „Goliath“ im Mittelpunkt. Als Gestrandeter auf einem fremden Planeten soll sich der Spieler mit selbstkreierten mechanischen Riesen durchkämpfen – lustige Sache, wäre da nicht ein Bremsklotz.
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Die Screenshots und das Titelbild sind recht vielversprechend: Ein selbstsicher dreinschauender Held mit einem gigantischen Roboter im Hintergrund – alles präsentiert in netter Comic-Optik. Auf mich wirkte das äußerst interessant. Gedanklich hatte ich mich bereits auf eine Art Hack&Slay vorbereitet, bei dem ein Gegner nach dem anderen über den Haufen gemäht wird. Doch ich wurde überrascht …
 
Denn anstatt direkt in dieser fremden Welt auf Monsterjagd zu gehen, muss sich der Held erst einmal orientieren und Rohstoffe einsammeln. Den meisten Monstern, den der junge Captain begegnet, ist er nicht gewachsen. Daher: Die Tarnvorrichtung einschalten und sich behutsam fortbewegen. Irgendwie erinnert mich das Ganze an Survival-Titel wie die Indie-Perle „Don’t Starve“, wenn ich Bäume abhake, Äste einsammele oder Beeren in mein Inventar wandern lasse. Recht gemütlich und so unerwartet – mir gefällt’s.
 
Sobald ich die Spielmechaniken näher erläutert bekommen habe, bekomm ich eine Art Basis spendiert. Dort bin ich vor Monstern sicher und kann – was noch wichtiger ist – endlich Roboter bauen. Zunächst sind die mechanischen Riesen noch aus Holz, aber im späteren Spielverlauf ändert sich das. Jede Komponente, angefangen vom Kopf über Beine, Arme und den Rumpf darf ich selbst bestimmen. Richtig spannend wird dieses System allerdings auch erst im späteren Spielverlauf, wenn ich eine größere Auswahl an möglichen Bausteinen habe. Zunächst genügt mir aber der Holzkamerad.
 
Einmal die Kontrolle über den Goliath übernommen, sieht die Sache mit den Monstern gleich viel besser aus: Die gewaltigen Arme prügeln ganz schön heftig auf die Widersacher ein. Nur leider habe ich es etwas übertrieben als ich mich mit vier Riesenspinnen gleichzeitig angelegt habe: Eine Explosion später steht mein kleiner Held wieder ohne Roboter da – völlig schutzlos. Jetzt hilft nur noch der schnelle Sprint in die Basis. Wer das allerdings nicht schafft, findet sich nach dem K.O. auch in der Basis wieder, jedoch mit einigen Verlusten im Inventar. Ein neuer Roboter ist jedoch wieder schnell gebaut. Und so langsam verstehe ich auch die Mechanik: Ich darf bis zu drei Roboter gleichzeitig mit auf meine Streifzüge nehmen und kann diese per Knopfdruck in Sekundenschnelle wechseln – oder sogar in der Form als schutzloser Captain herumlaufen, um mich mit dessen Tarnvorrichtung an mächtigen Gegnern vorbeizuschleichen. Ein wirklich interessantes System. Bis dahin gibt es wenig zu meckern – lediglich die Kollisionsabfrage könnte etwas genauer sein.
 
You Can Say You To Me!
 
Zwei Dinge treiben mir jedoch Sorgenfalten aufs Gesicht. Die deutsche Übersetzung ist an manchen Stellen echt merkwürdig – was eigentlich kein Problem wäre. Doch wenn es dadurch zu erheblichen Verständnisschwierigkeiten kommt, ist das nicht mehr so lustig. Kleines Beispiel: Meine Mission lautete „Suche drei Protokolle in der Umgebung“. Gesagt, getan: Also lief ich die komplette Karte ab, um diese Protokolle zu finden. Nachdem ich nicht fündig wurde und mich mehrfach der virtuelle Tod ereilte, war ich schon leicht frustriert. Vielleicht war ich zu schwach ausgerüstet für diesen frühen Auftrag: Am besten sammele ich ein paar Ressourcen ein, um mich zu stärken. Aus diesem Baum mach ich Kleinholz – und bling! – „Eins von drei Protokollen gesammelt“. Wie bitte? Der Groschen fällt: Im Englischen lautete die Aufgabe wohl: „Collect three logs“ was im Deutschen bedeutet: „Sammele drei Baustämme“ – und nicht etwa Protokolle… Da hat wohl Babel-Fish geholfen bei der Übersetzung. Nun ja, kann passieren.
 
Der zweite Bremsklotz hat nun aber tatsächlich direkten Einfluss auf euren Spielspaß: Die Ladezeiten sind brutal nervig. Jedes Areal – und davon gibt es viele – begrüßt euch mit einem Ladebildschirm, der schon mal seine 30 bis 40 Sekunden in Anspruch nimmt. Muss ich dann für einen Auftrag, der eigentlich in nur drei Minuten erledigt wäre, zu vier verschiedenen Gebieten reisen, um dort Materialien einzusammeln, nerven die Ladebildschirme nicht nur, nein, sie zerstören den kompletten Spielfluss komplett. An dieser Stelle müssen die Entwickler der Whalebox Studios unbedingt nachbessern.
 
Insgesamt erscheint mir das Konzept im Kern eine gute Mischung aus Erkundung, Forschung und Kampf zu sein, die durchaus unterhalten kann. Die verschiedenen Roboter leveln auf, haben unterschiedliche Fähigkeiten und die Kombination aus verschiedenen Komponenten regt zum Experimentieren an – coole Sache. Die Ladezeiten sollten jedoch dringend überarbeitet werden, damit dem Spaß nicht mehr so viel im Wege steht. Dann macht es mir auch nichts aus stundenlang nach mysteriösen Protokollen zu suchen.  
 
Erhältlich für: Xbox One, PS 4, PC
Website: goliath-game.com

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